Planet Cruiser.

Ruanda Teil 1. Land der tausend Hügel.

10.01.15 – 13.01.15 (Tag 118 –Tag 122)

Die letzten 20 km vor der Grenze zu Ruanda wird die Teerstraße ziemlich schlecht. Wir müssen ständig aufpassen, dass wir nicht komplett mit MUZ in riesigen Schlaglöchern verschwinden. Ein paar Kilometer vor der Grenze stehen viele LKWs und Autos rechts und links am Straßenrand. Wir denken noch, das kann doch nicht schon der Stau zur Grenze sein. Als wir auch von der Polizei zum Anhalten aufgefordert werden, erfahren wir, dass alle hier warten müssen, da irgendein wichtiger Politiker demnächst die Straße passieren wird. Also heißt es erstmal warten. Nach knapp 40 min. kommt dann endlich das besagte Fahrzeug und wir können weiterfahren. Man glaubt es kaum, wie schnell auf einmal die alten Klapperkisten in Afrika Gas geben können. Von einer weißen Schrottkiste sehen wir nur noch eine Staubwolke.
Also geben wir auch Gas, damit wir nicht eine endlose Schlange an der Grenze vor uns haben.

Bei der Ausreise aus Tansania denken wir noch zunächst, es geht ganz flott, da wir mit unseren Pässen nach vorne gewunken werden. Doch beim Zollschalter stehen schon einige LKW Fahrer vor uns mit stapelweise Papieren. Das kann dauern. Markus´ Puls steigt sekündlich, als sich die Typen in der Schlange immer näher an ihn quetschen und nichts voran geht, da der Zollbeamte (es ist natürlich nur einer) wie so üblich in Afrika, alles in Zeitlupentempo erledigt.
Aber wir haben Glück und ein zweiter Beamte winkt uns zum Fenster nebenan und stempelt unser Carnet de Passage zügig ab.
Als wir leicht genervt zu MUZ zurückkommen, sind wir komplett von Autos und LKWs zugeparkt. Irgendwann kommt dann der ein oder andere Fahrer angeschlappt und mit viel Rangieren schaffen wir es Richtung Grenzstation Ruanda.
Wir gehen davon aus, dass das Prozedere hier schnell geht, da wir ja als Deutsche kein Visum für Ruanda benötigen. Weit gefehlt! Seit November 2014 müssen auch deutsche Staatsbürger sich ein Visum für 30 US$ ausstellen lassen.
Nach rund 90 Minuten für die Aus- und Einreiseprozedur (für Afrika doch nicht so schlecht) fahren wir – nun wieder bei Rechtsverkehr – durch „das Land der tausend Hügel“, wie sie ihr Land selbst nennen.
Das kleine Land hat sich seit den schweren Zeiten mit schrecklichem Völkermord Mitte der 90er Jahre weiterentwickelt und ist seit 2000 auch wieder für Touristen offen und sicher.
Bei angenehm kühlen Temperaturen fahren wir über viele Hügel durch saftig grüne Teeplantagen.
Uns fällt sofort auf, wie extrem sauber und gepflegt es hier ist. Wären hier nicht nur Schwarze auf der Straße, die uns alle wieder mit großen Augen anstarren, könnte man fast meinen, man ist in Europa. Die Straßen sind unglaublich gut geteert, mit Wasserabflussrinnen für die Regenzeiten und befestigten Hängen neben den Bergstraßen. Alles ist ungewöhnlich geordnet und gepflegt, man merkt schon nach wenigen Kilometern, dass hier zahlreiche Hilfsorganisationen aus dem Westen am Werk waren und immer noch vor Ort sind. Und, Ruanda ist das erste Land weltweit, in dem Plastiktüten streng verboten sind! Eine wirkliche Wohltat, mal nicht ständig Müllberge zu sehen.

RuandaIMG_7067 RuandaIMG_7069 RuandaIMG_7080 RuandaIMG_7085Nach einer Zwischenübernachtung in Rwamagana erreichen wir heute die Hauptstadt Kigali. Da Campen in Ruanda eigentlich nur in den Nationalparks möglich ist, sind wir auf Gästehäuser angewiesen. Aufgrund der immer noch starken Präsenz der internationalen Hilfsorganisationen, ist das Preisniveau hier schon ziemlich hoch.
Wir brauchen einige Zeit und Telefonate um unser Gästehaus, das „Good News Guesthouse“, zu finden. Etwas außerhalb der Stadt und leicht erhöht gelegen werden wir hier sehr nett empfangen und wir genießen den Rest des Tages im ruhigen Garten des Gästehauses

RuandaIMG_7034 RuandaIMG_7037Heute wollen wir uns um das Permit für das Gorilla Tracking kümmern. Zunächst besuchen wir aber eine von zwei erschütternden Genozid (Völkermord)-Gedenkstätten südlich von Kigali. Im Jahre 1994 wurden bei dem minutiös geplanten Völkermord innerhalb nur eines Monats ca. 800.000 Tutsis und zahlreiche gemäßigte Hutus grausam ermordet. Zynischerweise wurde dies in Ruanda von April bis Mai 1994 von der internationalen Völkergemeinschaft hilflos und ohne Mut zum Eingreifen verfolgt. Der Tatbestand des Genozids, der zum militärischen Eingreifen gezwungen hätte wurde einfach ignoriert und negiert.

Wir besuchen die kleine Kirche von Ntarama, in der im April 1994 mehr als 5000 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, die eigentlich Hilfe und Schutz gesucht hatten, grausam ermordet wurden. Anna Maria führt uns durch die Kirche, in der zahlreiche Gebeine und Schädel der Schutzsuchenden liegen. Auch viele Kleidungsstücke der Ermordeten werden hier zu ihrem Gedenken aufbewahrt.

Es sind für uns sehr erschütternde Momente, in der von Granaten zerstörten Kirche zu stehen. Als wir nebenan den kleinen damaligen Schulraum betreten zeigt uns Anna Maria einen Fleck an der hinteren Wand. Sie erklärt uns, dass dies noch die Überreste sind, als die Kinder einfach mit dem Kopf an die Wand geworfen wurden. Es ist so grausam und wir fragen uns in diesem Moment, ob man das in der Art der Öffentlichkeit als Gedenkstätte zeigen sollte.
Aber ein Vergessen darf nie stattfinden!

Wir tragen uns noch tief ergriffen in das Gedenkbuch ein und spenden eine Kleinigkeit.

RuandaNtarama (5) RuandaNtarama (1)Ohne viele Worte und sehr traurig fahren wir zurück nach Kigali. Wir suchen das Tourism Office im Rwanda Development Board und versuchen, ein Permit für ein Gorilla Tracking innerhalb der nächsten Tage zu bekommen. Wir sind überrascht, als wir erfahren, dass an den kommenden Tagen an jedem Tag noch ein Permit verfügbar ist. Also buchen wir für den 15.01. unsere Permits und atmen einmal tief durch als die Kreditkarte durchs Lesegerät gezogen wird. Pro Permit sind 750 US$ (und leider ist der US$ gerade nicht so günstig für uns) fällig, aber das wussten wir ja auch.

Glücklich mit den Permits im Gepäck verlassen wir Kigali und machen uns auf den Weg in westliche Richtung zum Kivusee. Wir wollen zu einer Lodge im Ort Giseny an der Grenze zum Kongo.
Die Strecke ist wirklich sehr reizvoll. Immer wieder geht es steile und satt grüne Hügel rauf und wieder runter. Überall farbenfroh gekleidete Menschen, die uns wie so oft mit offenen Mündern anstarren. Die Kinder kommen immer schnell zu uns gelaufen und rufen, wie auch schon in Teilen Tansanias, laut „MZUNGU“ (Weiße) und man ist eigentlich nur ununterbrochen am Winken.
Was uns auch positiv im Vergleich zu anderen Ländern auffällt: hier sind auch die Männer am Arbeiten und es tragen nicht nur die Frauen ständig schwere Lasten auf dem Kopf.

Vor lauter Schauen und Winken verpassen wir auf halber Strecke den Abzweig Richtung Giseny und landen so schließlich viel weiter südlich am See in Kibuye. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als hier eine Nacht zu bleiben. Wir versuchen noch, einen Campingplatz, der im Reiseführer steht, zu finden, werden aber nicht fündig und bleiben somit in einem Hotel. Aber wenigstens haben wir eine kleine Terrasse mit Blick auf den See.

RuandaIMG_7055 RuandaIMG_7050 RuandaIMG_7059 RuandaIMG_0017 RuandaIMG_0036 RuandaIMG_0006 RuandaIMG_0028Da wir ja gestern den Abzweig verpasst haben, machen wir uns heute wieder auf den Weg zurück nach Gitarama um schließlich nach Giseny zu kommen. Wir könnten zwar auch den „Nil-Kongo-Trail“ in Seenähe fahren, aber zum einen kostet diese Strecke etwas und zum anderen haben wir gerade keine Lust auf eine Piste.
Die Strecke nach Giseny gefällt uns wieder sehr gut. Hügel rauf, Hügel runter, Teeplantagen, immer wieder ein toller Blick. Leider ist es, seit wir in Ruanda sind, ständig etwas diesig aufgrund der feuchten Luft, so dass der Blick in die Ferne bis zu den Vulkanen leider nur selten möglich ist.

Wir verbringen einen schönen und entspannten Nachmittag im Garten der INZU Lodge. Eigentlich wollten wir hier campen, aber die mögliche Stellfläche für MUZ ist neben der Rezeption ohne Blick auf den See nicht wirklich einladend. Somit übernachten wir in einem der Zelte der Lodge, was letztendlich nur unwesentlich teurer ist als die Gebühr fürs Campen.

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2 Kommentare

  1. Renate Doktor-Froben

    Wieder ein super interessanter Bericht und wunderschöne Bilder. Ihr könnt, wenn ihr wieder mal zuhause seid, ein Buch verfassen oder Vorträge über Eure Reise halten. Es ist immer wieder so spannend, meistens lese ich Eure Berichte öfters, weil sie so toll geschrieben sind. Liebe Grüße und weiterhin gute Fahrt von uns Dreien.

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    • Freut uns so sehr, dass ihr uns immer so interessiert verfolgt. Das Hochladen ist nicht immer so einfach, aber wir geben uns Mühe, immer halbwegs aktuell zu sein.
      Danke für die lieben Grüße und fühlt euch gedrückt.

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