Planet Cruiser.

Zimbabwe – Schlammschlacht am Lake Kariba oder Weltkulturerbe am Zambezi.

08.12. – 14.12.14 (Tag 85 – Tag 92)
Heute lassen wir uns mit dem Frühstück und Zusammenpacken bewusst mehr Zeit, da wir hoffen, dass später der Andrang am Grenzübergang Kazungula von Botswana nach Zimbabwe nicht mehr so groß ist.
Bevor wir uns auf den Weg zur Grenze machen, besorgen wir noch den notwendigen Kram, um allen Polizeikontrollen in Zimbabwe gewappnet zu sein. Rote und weiße Reflektoren für MUZ und ein zweites Warndreieck. Feuerlöscher und all die anderen Dinge haben wir bereits. Zur Sicherheit und evtl. Diskussionshilfe laden wir uns noch den aktuellen 11 (!)-seitigen Bußgeldkatalog mit allen möglichen Vergehen im Straßenverkehr auf den Laptop. Wir wissen ja aus eigener Erfahrung, dass es in diesem Land viele Polizeikontrollen gibt und in der letzten Zeit häufen sich die wilden Storys von vielen Reisenden.
Wir haben Glück und es ist kaum was los an der Grenze. Auch wenn die drei Grenzbeamten alles andere als freundlich und motiviert rüberkommen, haben wir tatsächlich alles nach genau einer Stunde erledigt. Ausreise, Einreise mit Visa (haben auch gleich das neue KAZA Visum für Zimbabwe und Zambia ausstellen lassen), Zollformalität für MUZ, Roadtax, Carbontax und Versicherung. Somit sind wir mal schnell 155 US$ los, aber problemlos eingereist. Nur unseren 100 US$-Schein musste sich der Beamte natürlich ganz genau und lange anschauen.
Nicht mal zwei Kilometer nach der Grenze, wie soll es auch anders sein, kommt der erste Police-Check-Point.
Der junge Polizist ist sehr freundlich und will auch ein bisschen quatschen. Aber dann heißt es natürlich sämtliche Lichter, Reflektoren, Führerschein und Carnet de Passage checken.
Zuerst findet er unser spärliches Rücklicht nicht und er meint, dass nur ein weißes Rückfahrlicht funktioniert. Nach einigen Erklärungsversuchen, dass unser Modell nicht mehr Rücklicht und auch nur ein Rückfahrlicht hat, lässt er uns dann doch mit einem „have a nice x-mas“ weiterfahren.
Nach rund einer Stunde erreichen wir Victoria Falls. Hier verbringen wir zwei legere Tage auf dem Victoria Falls Rest Camp. Die Wasserfälle schauen wir uns nicht an, da wir sie bereits vor zwei Jahren besucht haben und momentan auch nur ganz wenig Wasser führen.
Gut erholt und wieder mit frischer Wäsche machen wir uns auf den Weg nach Binga. Bis dorthin hatten wir noch 4 weitere Polizeikontrollen. Neben wiederholten Diskussionen zu unseren (nichtvorhandenen) Lichtern, hat eine Kontrolle den Vogel abgeschossen. Der nette Beamte fragt uns doch tatsächlich, wo wir das Holz auf dem Dach her haben und möchte die Papiere dafür sehen. Nach einigem Palabere, dass wir keine Papiere bekommen haben, lässt er uns letztendlich fahren, nachdem wir ihm deutlich machten, dass die anderen 3 Polizeikontrollen nicht danach gefragt haben.
Alles in allem haben wir jede Polizeikontrolle bislang ohne zu Bezahlen gemeistert und haben auch die Beamten und Beamtinnen als sehr freundlich empfunden.

In Binga übernachten wir am Pool der Kulizwe Lodge mit Blick auf den Karibasee. Der See entstand, als ab 1958 der Zambezi an der 100 m breiten Karibaschlucht durch eine gewaltige Staumauer aufgestaut wurde. Fünf Jahre hatte es gedauert, bis der Karibastausee mit 180 Mrd. cm³ Wasser gefüllt war. Mit einer Oberfläche von 5230 km² ist der Karibasee heute einer der größten Seen Afrikas und zehnmal größer als der Bodensee. Seine Uferlinie beträgt rund 2000 km. Der See ist 280 km lang, an seiner breitesten Stelle 32 km und im Durchschnitt 18 km breit. Die maximale Tiefe beträgt 120 m, die durchschnittliche Tiefe ungefähr 20 m.
Auch wenn der See bei den hohen Temperaturen förmlich nach einem Sprung ins Wasser schreit, bevorzugen wir dann doch lieber den Pool. Bei der extrem hohen Krokodilpopulation im See (angeblich kommt ein Krokodil auf 200 m Uferzone) ist das sicher die bessere Wahl.

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Heute stehen wir sehr früh auf und starten bereits um 7:00 Uhr. Eigentlich wollen wir „nur“ an das andere Ende des Sees nach Kariba, wir rechnen für die 370 km lange Strecke aber mit ca. 9 Std. Fahrzeit.
Die Strecke zwischen Binga und Kariba wurde zwar in den 1990er deutlich ausgebaut und verbreitert, ist aber dennoch eine anstrenge, aber landschaftlich total reizvolle Strecke. Immer wieder entlang der Strecke tauchen kleine Tonga Dörfer auf und überall wird einem freundlich zugewunken.
Die Fröhlichkeit besonders der Kinder in dieser armen und vergessen Region lässt hoffen, dass die neue Generation der Tonga zumindest nicht mehr traumatisiert ist wie ihre Vorfahren.
Als in den 1950er Jahren die Kolonialherren die Stauung des Zambezis ankündigten, wiedersetzten sich die meisten Tonga einer Umsiedlung ins trockene Hinterland. Allein die Vorstellung, durch den riesigen See für immer von den Freunden und Verwandten am gegenüberliegenden Ufer für immer getrennt zu werden, paralysierte die Tonga. Schließlich wurden jedoch 57.000 Menschen zwangsumgesiedelt, was für die meisten traumatisch verlief.

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Die Stauung des Zambezi bedeutete aber auch eine Tragödie für die Wildtiere in der gesamten Region. Als das Wasser anstieg, retteten sich viele Tiere auf höhergelegene Gebiete. Allmählich wurden diese Bergkuppen zu Inseln, die langsam im steigenden Wasser versanken. Die Tiere saßen in der Falle und ertranken zu Tausenden. Engagierte Tierfreunde um den Wildhüter Rupert Fothergill starteten deshalb 1959 die größte Tierrettungsaktion, die unter dem Namen „Operation Noah“ als größte Tierrettungsaktion der Welt Geschichte machen sollte.
Viele Tiere, insbesondere Impalas und Schirrantilopen starben trotzdem an einem Schockzustand.
Zusätzlich wurden viele Tausend Tiere wegen des Tsetse-Control-Hunting-Programms abgeschossen. Dass unter ihnen vermutlich auch Tiere waren die gerade erst glücklich gerettet worden waren, ist schon makabere Ironie.
Auch wir werden auf unserem Weg kurz vor der Brücke über den Sanyati River an einer Tsetse-Kontrolle nach „blinden Passieren“ durchsucht. Mit einem Fangnetz bewaffnet umrundet der Fliegenfänger unseren MUZ und gibt uns noch zwei Spühstöße Insektenspray im Auto mit auf den weiteren Weg.

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Nach gut geschätzten 8 ½ Std. Fahrt erreichen wir Kariba. Der früher als „die Riviera Zimbabwes“ beschauliche Ortschaft ist mittlerweile nicht mehr wirklich „en vogue“ und macht einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck. Viele einstige, sicherlich traumhaft schöne Hotels sind einfach nicht mehr gepflegt oder existieren gar nicht mehr.

Wir schlagen unser Zelt auf der Campsite der Lomagundi Lakeside Association auf. Scheinbar ist die Anlage auch die einzige Möglichkeit, wo man gemütlich etwas trinken und essen kann. Denn abends sind wir auf einmal von ca. 50 weißen Zimbabwern in der Bar umzingelt, die sich dort zum Feiern treffen.
Wir haben jetzt um ca. 19 Uhr immer noch über 38 Grad im Schatten und eine Luftfeuchtigkeit von geschätzten 100%. Das kann nichts Gutes heißen. Und so kommt es, dass sich hier ein Riesen-Unwetter auftut. Es stürmt, blitzt und donnert, und regnet sintflutartig. Zum Glück sitzen wir ja schon bereits in der Lapa (überdachte Bar). Immer wenn man denkt, das Ganze ist nun vorüber, fängt es wieder erneut zum Unwettern an. WAHNSINN, Markus schaut immer wieder mal ums Eck, hinüber zum MUZ, ob er samt Dachzelt noch steht, oder schon in den Karibasee abgerutscht ist.
Nach ca. 3 Stunden wird es dann endlich leichter und wir können zu unserem „Heim“ rutschen. Ja, durch den vielen Regen erleben wir eine richtige Schlammschlacht. Und um unseren MUZ herum hat sich ein neuer kleiner See entwickelt. Na super, hoffentlich beruhigt sich das über Nacht wieder.
Jetzt am Morgen sind wir erst mal mit Saubermachen beschäftigt. Denn Alles, was gestern Abend nicht festgebunden war, liegt jetzt im Schlamm und muss zumindest einigermaßen sauber gemacht werden.
Am späten Vormittag kommen wir endlich los und fahren über Makuti zum Mana Pools National Park. Dieser erstreckt sich über 50 km am Zambeziufer entlang und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Das Herzstück des Parks bildet die attraktive Auenlandschaft an den vier Mana Pools (Mana bedeutet vier), so genannte Altwassertümpel.
Schon bei der Fahrt in Richtung Zambeziufer – dort liegen die Campsites – fällt uns auf, dass es hier staubtrocken ist. Unglaublich, einer der Ranger erzählt uns, dass es hier im Park in den letzten Wochen nur einmal kurz geregnet hat. Wir genießen hier zwei sehr schöne und vor allem trockene aber auch heiße Tage (Tiefsttemperatur nachts 27 Grad).

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Heute Morgen windet es und bedrohliche Wolken ziehen auf. Wir packen schnell unser „Graffel“ zusammen und fahren los. Man glaubt es kaum, nach ca. 20 km fängt es zum Regnen an. Wir entscheiden uns, nochmal einen kleinen Umweg nach Kariba zu fahren um dort den kleineren Grenzübergang nach Zambia zu nehmen. Außerdem, so hoffen wir, können wir Kariba vielleicht doch noch mit ein paar Sonnenstrahlen erleben.
Aber, weit gefehlt, es regnet die ganze Fahrt bis dahin und die Wolken hängen ziemlich tief. Dabei steht doch in unserem Reiseführer, dass Kariba ganzjährig von der Sonne verwöhnt wird. Schade, wir fahren aber trotzdem noch schnell zu einem Aussichtspunkt, um wenigstens ein paar Fotos machen zu können. Anschließend geht’s dann zur kleinen Grenzstation. Zuerst die von Zimbabwe, und dann, nach der Überquerung der riesigen Staumauer (617 m breit und 128 m hoch) hinüber nach Zambia.

FAZIT:

Zimbabwe ist – abgesehen von den häufigen und nervigen Polizeikontrollen – ein wunderschönes Land zum Bereisen. Die Bevölkerung ist unglaublich freundlich und sehr hilfsbereit. Außerdem hat sich auch das Land wieder etwas von dem wirtschaftlichen Niedergang erholt, was bedeutet, dass man wieder gefüllte Supermarktregale vorfindet und auch Sprit an den Tankstellen bekommt. Wir haben dieses Mal nur noch einen Teil besucht, da wir ja schon vor zwei Jahren die anderen Highlights gesehen haben.

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